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4. August 2015 2 04 /08 /August /2015 22:42

Am Hauptbahnhof abends Briefmarken vom Automaten kaufen, Briefe einwerfen. Geht aber nicht: 3 von 3 Automaten in der großen Halle sind defekt. Außer Gefecht.

Gehe schnell zur Buchhandlung, da ist eine Poststelle. Das Licht brennt noch, die Angestellte ist auch noch da, sie hat aber soeben geschlossen. Sagt sie. Es ist 3 Minuten, na ja... zugegeben... fast 5 Minuten nach Acht.
Im Presse-Center werden auch Briefmarken verkauft. Sagt sie.


„Ja, schon, Briefmarken verkaufen wir – verkündet mir die Dame an der Kasse hinter der hohen Mauer von Bonbons, Kaugummis und anderen unlesbaren Süßigkeiten - nur die 62er nicht“. Eben nicht. Das sind gerade die, die ich brauche, die zweiundsechziger!

In diesen Augenblicken wird mir der Unterschied zwischen Deutschland und Italien bitterlich bewusst und ich fange innerlich an, gegen Deutschland zu schimpfen.

Denn:
In Italien hätte ich meine Briefmarken gekriegt.
Da bin ich mir sicher.

Weil:

a) Ich von vornherein davon ausgegangen wäre, dass die Automaten wie üblich defekt seien, und schnurstracks zur Poststelle marschiert wäre,

und

b) hätte die Poststelle wie in dem Fall gerade geschlossen, wäre die (unvermeidlich typisch italienische) Angestellte so gnädig und so typisch italienisch flexibel gewesen, die Schublade kurz wieder aufzuschließen, um mir flugs und flott die Marken zu verkaufen.

Ja, da bin ich mir sicher.

 

Schlußgedanke:

Woran kränkelt Deutschland? Vielleicht nicht an der Illusion, hier herrsche noch immer und in jedem Fall Ordnung und Effizienz? Übersieht man nicht, dass auch in diesem am Besten funktionierenden Land sich ab und zu das kleine Chaos in die Räder des perfekten Systems hineinschleicht? Und da hilft wenig, sich hartnäckig an den Regeln zu halten.

Sogar die Züge kommen in diesem chaotischen kaputten Bahnhof immer öfters mit Verspätung an. Entweder sputet man sich, um den Anschluss nicht zu verpassen, oder... Tja, oder was?...
Oder man nimmt
den nächsten Zug.

 

 

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Published by Loretta Petti
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