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19. Oktober 2015 1 19 /10 /Oktober /2015 15:32

Es gibt jetzt zu kaufen einen Kit, um den Gluteninhalt in Speisen zu testen. Man stelle sich vor: Eine/r sitzt im Restaurant, zieht Fläschchen und Röhrchen heraus, ein paar Tropfen von den Speisen ins erste Fläschchen, kräftig schütteln, dann ins Fläschchen Nr. 2, wieder vigorös schütteln und zack! nach zehn Minuten hat man rosa (oder blau) auf Weiß die Antwort: Gluten - Allergen Nr. 1 und Verursacher des größten modernen Unbehagens - ja oder nein. Thema Gesundheit erledigt, man darf unbekümmert zur Genussphase des Lebens abschwenken.

Schnell hat sich die Idee verbreitet, Gluten gefährde ganz allgemein die Gesundheit. So schnell,  dass es den Anschein einer verdeckten Kampagne hat. „Glutenfrei" prangt gut sichtbar auf den verschiedensten Verpackungen: Luftgetrockneter Schinken ist glutenfrei sowie Maismehl, wobei Lebensmittelhersteller und Gastronomen verpflichtet sind, auf Gluteninhalt und nicht auf Glutenfreiheit hinzuweisen (viel gefährlichere Stoffe dürfen unverändert in kaum lesbarer winziger Schrift angegeben werden).

Großangelegte Propaganda gegen Gluten: Weltweit feiert man die Gluten Free Days, Tagungen und sonstige Events beschäftigen sich  mit dem Thema.

Warum das Riesenaufgebot? Warum diese Verteufelung des Glutens?

Denkt man (angst)frei nach und das alles kommt so logisch vor wie Aristoteles Syllogismus: Gluten macht krank, Gluten ist aber Bestandteil von Weizen und demnach von Brot und Pasta, deswegen machen Pasta und Brot auch krank. Nun, (fast) die ganze Welt ernährt sich von Brot und Pasta, (fast) die ganze Welt müsste also glutenfreie Pasta und Brot bekommen, wenn (fast) die ganze Welt nicht krank werden will. Was für ein Riesenmarkt eröffnet sich den Produzenten „anderer“ Weizensorten! Man muss nur vorher die Verbraucher massenweise glutenfrei manipuliert haben. Getreidesorten können schnell glutenfrei modifiziert, patentiert und großflächig produziert werden… Oder sind sie schon da?

Wer herrscht aber den Weltmarkt in dieser Branche? Wer besitzt das Knowhow um Agrarprodukte gentechnologisch zu modifizieren?  Wer strebt das Weltmonopol auf Saat an? Denkt man nicht gleich an Monsanto & Co.?

Kern des Problems ist also nicht Gluten im Getreide, sondern kein Gluten im Getreide: Letzteres könnte für uns und die Welt in mehreren Hinsichten ziemlich schädlich sein. 

Die Verteufelung des Glutens hat in Wirklichkeit mehr mit Macht und Geld und viel weniger mit unserer Gesundheit zu tun: Man erschafft künstlich einen Markt für neue Produkte, in dem man danke den verschiedensten Marketingstrategien den Bedarf danach erzeugt. Das Produkt unserer Sehnsüchte  steht dann parat im Supermarkt. In Sache Gluten wird (bzw. ist schon geworden) so aus Nischenprodukten und aus einer Allergie, die nur eine kleine Gruppe betrifft, eine Lawine: Alle wollen sich glutenfrei gesund ernähren.

Moden gehen vorbei, alte werden von neuen ersetzt. Was kommt als nächste Verteufelung auf uns zu? Kohlenhydrate allgemein vielleicht? Oder Mais-, Kartoffel- und Reisstärke?  Reis ist ja Grundnahrungsmittel für die andere Hälfte der Menschheit.
Früher sind Moden einfach vorbei gegangen, ohne große Spuren hinter sich zu lassen. Ja, früher... Heutzutage aber, in den Zeiten der Genmodifizierung können die Folgen einer Mode beständig sein und die Welt für immer verändern. Wollen wir das in diesem Fall?

Es gibt in diesen (post)modernen  Zeiten auch wieder trojanische Pferde. Heute wie damals werden sie von der Politik angesetzt, um vom Wesentlichen abzulenken und Schlachten zu gewinnen.

Gluten ist eines der trojanischen Pferde der EU-Agrar- und Ernährungspolitik: Während man uns mit dieser Nebensächlichkeit beschäftigt, drücken die EU-Staaten  hinter geschlossenen Türen das ungeliebte TTIP-Abkommen durch und schlagen sogar dabei politisches Kapital heraus, indem sie uns beweisen, dass sie sich um uns kümmern.
Oh yes, they care!

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Published by Loretta Petti
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