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3. Dezember 2015 4 03 /12 /Dezember /2015 07:37
Schneckentempo

Unser kleinmütiger Oberbürgermeister wird in die Geschichte eingehen als der OB vom Tempo 40.  Während der Verkehr mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 10 Km/h voran kriecht und ich viel zu oft mittendrin ausweglos in einem Meer von Autos stecke, verheißt das Think Tank im Rathaus uns Volk die Heilung alles Übels durch die Einführung von Tempo 40: Feinstaub, CO2, Lärm und unnötige Verschwendung von Lebenszeit, alles weg, weg, es war ein Mal, Basta und Schluss damit.
An das Foto von Fritz Kuhn vor einem 40er-Verkehrsschild erinnern wir uns noch: Hier bemüht sich ein OB um sein (historisches) Werk, so war es! Eines der Plakate seiner Wahlkampagne damals haben wir auch nicht vergessen: Feinstaub weg vom Verkehr, versprach uns sein lächelndes Konterfei. Tagtäglich bin ich am Plakat vorbei gefahren und immer habe ich mich fragen müssen, wie er den Feinstaub aus dem Verkehr weg haben wird, ohne den Verkehr aus den Straßen weg zu kriegen.

Angesichts der Stuttgarter Verhältnisse entspricht heutzutage Tempo 40 - so spontan gefühlt - der Lichtgeschwindigkeit.  Das hat er erreicht, unser OB: Uns träumen zu lassen!

Während der Kuhn in dieser unseren leistungsstarken modernen Stadt der grünen Mobilität auch seine eigene Träumereien pflegt und sich mit der Idee von der Stadt am Fluss dilettiert, verreckt die City zwischen Baugruben, Staub- und Lärmschutzwällen. Uns Volk der Muss-Autofahrer lässt er links sitzen mit der Utopie (nennen wir es so) eines umfassenden Verkehrsleitsystems, der auf unerwartete oder saisonale Verkehrsbehinderungen mehr als mit einem Schilderwald reagiert, (Ampel)Takten der jeweiligen Baugrube umgehend anpasst, grüne Wellen zustande bringt.

Wobei einige simplere Verwaltungsmaßnahmen Abhilfe schaffen könnten, denke ich oft, wenn ich gefangen in meinem Blechkasten sitze. Zum Beispiel:

- Milaneo, große Filialisten, Lidl, Aldi, DM, H&M, Weihnachtsmarkt, Weindorf usw. könnte man ihre Kaufschlachten, Shoppenfeten und lange Einkaufsnächte (eine der unnötigsten und schädlichsten Veranstaltungen, die man problemlos ins Absurdistan verbannen könnte) weiter feiern lassen, sie aber verpflichten,  Shuttlebusse  zur Verfügung zu stellen, um die shoppenden und feiernden Massen samt Einkaufstaschen von und zu ihren außerhalb der Stadt  abgestellten Gefährten zu befördern.

- Viel mehr park&ride-Möglichkeiten sollte man anbieten,

- City Maut mindestens an gewissen Tagen in der Woche könnte man einführen (wirksamer als die gehypte hohe Parkgebühr, die die großen teuren Spritverbraucher nicht davon abhält, in die Stadt zu fahren, denn wer sich ein teures Auto leisten kann, schreckt auch vor keiner teuren Parkgebühr zurück).

- Öffentliche Verkehrsmitteln (ÖPNV) sollten viel günstiger bis gratis werden. Und das – aufgepasst - nicht in den ruhigeren Tageszeiten, nicht nur für Beamteter oder Rentner, sondern für alle in der Zeit des Berufsverkehrs, wann man am meisten Menschen zum Umsteigen bringen kann. Eine teure Angelegenheit, stimmt, aber solange die ÖPNV nach dem Prinzip der Profitmaximierung funktionieren, kann man auch das Verkehrsproblem nicht lösen

- Hier und dort könnte man schon anfangen, Verschwendungen zu vermeiden und das Ersparte in das Projekt „ÖPNV umsonst“  zu investieren. Ganz spontan würde ich vorschlagen: den Zuschuss der Stadt für die City Managerin abschaffen (die Großgeschäfte der City sollen sich ihre Managers selber zahlen!), die Ausgaben für viele unnötige Werbekampagnen sowie  für viele so schön leuchtende und überflüssige Schilder und Verkehrsleitsysteme dahin fließen lassen. Aus der City Maut und den Parkgebühren könnte man auch etwas abzweigen, oder?

- Last but not least (wir kommen hiermit zur Last der geleasten bzw. Erlesenen) den besserwissenden und besserkönnenden Stadtpolitikern und -verwaltern, jenen Vorbildern, die: „Ach ja, die Staus… selber schuld! Ich fahre Zweirad zur Arbeit“ sollte man ein 2wöchigen Praktikum  in einem Kleinbetrieb, der sich in der Stadt zwangsweise zwecks Transports auf Vierrädern bewegen muss, nahe legen.  Das würde vielleicht einige Birnen zum Glühen bringen und endgültig klar machen, dass eine Verlangsamung den Verkehr nicht verringert, langsamere Ampeltakte und Verbote wie Schikanen und Bestrafungen vorkommen und die Leute nicht davon abbringen, Auto zu fahren, sondern sie (uns) nur wütender machen. Und dass viele fahren müssen, weil sie transportieren müssen.
Als Mantra empfehle ich den Praktikanten, vor dem Einsteigen in den Transporter die Parole panta rei / alles fließt zehnmal zu wiederholen. Das wird helfen! Nicht minder als die allgemeine Einführung von Tempo 40.

 

 

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Published by Loretta Petti
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