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2. Mai 2016 1 02 /05 /Mai /2016 15:50

 

An den Folgen eines Fahrradunfalls leide ich immer noch und das auch montags, wenn ich nach der Sonntagsruhe wieder in den Arbeitsrhythmus hinein muss. Deshalb gelten heute meine Montagsgedanken dem Fahrradfahren.

In der Stuttgarter Bewegungskultur gibt es zwei Entitäten, die viel Wert haben: Die Fußgänger und die Autos. Die Fußgänger haben dabei mehr Wert als die Autos, denn einen Fußgänger kaputt zu machen kostet - Schuldgefühle mit eingerechnet - mehr als ein Auto kaputt zu machen.

Zwischen diesen beiden Wesen stehen dann die Fahrradfahrer, die sowohl von den Fußgängern als auch von den Autofahrern entweder ignoriert oder als Störfaktor empfunden werden. Von Manchen wird man als Fahrradfahrer sogar gehasst, habe ich gemerkt.

Die Fahrradfahrer ihrerseits haben weniger Probleme mit den Fußgängern, auch wenn sie nicht ganz verstehen, warum die Menschen zu Fuß sich so oft auf den Fahrradwegen und –Übergängen und nicht auf dem für sie vorgesehenen Straßenanteil bewegen müssen. Wobei man zugeben muss, dass viele Fahrradfahrer oft das Gleiche tun und sich unberechtigterweise auf Fußgängerwegen befinden. Das ist also ein Fehlverhalten und Unverständnis, das beide Seiten sich entgegenbringen.
Größere Probleme haben die Fahrradfahrer mit den Autofahrern. Die Fahrradfahrer müssen sich zum Beispiel immer fragen, warum sie von den Autofahrern auf Straßen mit 30er Tempolimit und Autos vorne und hinten standig überholt werden. Muss das wirklich sein? Was ist das Nutzen von den 4-5 Metern Vorsprung, die ein Auto dadurch bis zum nächsten fahrenden Objekt oder bis zur nächsten roten Ampel gewinnt? Handelt es sich hier nicht um die Kernfrage, dass Fahrradfahrer von Autofahrern gar nicht als Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden?

Als regelmäßiger Fahrradnutzer hat man in Stuttgart also ein doppeltes Problem: Nicht nur vermisst man da vernünftige Fahrradwege sondern auch jene gewisse Fahrradkultur, die das Fahrradfahren angenehm macht.

Ich bin ein Paar Mal in Ostdeutschland Fahrrad gefahren, zwar nicht in einer so großen, mit Stuttgart vergleichbaren Stadt, aber in mittelkleinen Städten schon.
Vom Osten sind mir kaum gemischte Wege für Fußgänger und Fahrräder in Erinnerung geblieben. Und selbst da wo auf einer Straße Fahrrad- und Fußgängerweg unmittelbar parallel laufen, bleiben beide im Kopf und im Verhalten der Leute getrennt. Es ist mir schon passiert, auf der falschen Seite zu Fuß unterwegs zu sein und von Fahrradfahrern laut brüskiert und auf meine Spur verwiesen zu werden.

Nach diesen Erfahrungen bin ich zu der Meinung gekommen, dass man sich hier etwas vom Osten abgucken könnte, auch weil die Städte dort noch nie ein Autohype wie im Westen erlebt haben.

Eine Werbekampagne, um allgemein aufzufordern, aufs Fahrrad umzusteigen, scheint mir in Stuttgart ziemlich überflüssig: Viel mehr Menschen würden gern das Zweirad nicht nur in der Freizeit sondern auch als normales Bewegungs- und Transportmittel benutzen, tun es jedoch nicht, weil es schwierig, umständlich, gefährlich und meistens nicht angenehm ist.
Hilfsreicher wäre unter den kleinen kurzfristig realisierbaren Maßnahmen, Wege und Straßenübergänge für Fußgänger und Fahrräder besser zu trennen. Und eben da könnte man auch durch eine Werbekampagne und geeignete Schilder die Leute dazu auffordern bzw. verpflichten, auf den gegenseitigen Raum zu achten und den frei zu halten.

Mein Unfall hat sich auf einem Fußgänger-Fahrrad-Weg ereignet. Er wäre womöglich nicht passiert, wenn ich auf einem reinen Fahrradweg hätte fahren können. Und das nicht weil ich mich anders verhalten hätte: Viel mehr weil der Autofahrer, der mich angefahren hat, nicht auf die Fußgänger allein, sondern auf die Fahrradfahrer allein aufgepasst hätte. Der war vermutlich mehr auf Fußgänger und wenig bis gar nicht auf Fahrradfahrer gefasst.

Das ist das was ich unter Anderem vom Fahrradfahren in Stuttgart denke. Und nicht nur montags.

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Published by Loretta Petti
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