Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
4. September 2016 7 04 /09 /September /2016 14:29

Typ moderne Frau, Mittelschicht, alles sitzt, trotzdem lässig, keine Übertreibung, kein Botox (noch?), kein Trash. Sie schiebt sich zwischen Angeln und Tür auf die Schwelle meines geschlossenen Ladens (mit offener Tür wegen Putzen), strahlendes erwartungsvolles Lächeln, sie fragt: „Haben Sie auch Veganes zu verkaufen?“ Jene Erwartung „Ja ich VeganerIn, du Lob: Lob mich, sag und zeig es mir, denn gelobt sei ich, selbsternannte Weltretterin“ steht ihr wie gedruckt auf dem Gesicht. Rau brülle ich zurück: „Veganer haben bei mir Hausverbot!“. Sie scheint es nicht gleich wahrgenommen zu haben, lächelt weiter bis sie langsam anfängt, ernsthaft zu verstehen, was ich ernst meine: „Veganer sind bei mir nicht willkommen. Haben sogar Hausverbot“ wiederhole ich und denke „Stell dir mal vor, Hausverbot, du modische Alternative zur Natur!“, sage es aber nicht. Die Hypeness auf ihrem Gesicht verblasst langsam, bis auch das Lächeln wackelt und „Ouch, ja…wiedersehen „ sagt sie und weg ist sie.
Hätte ich mehr Zeit und sie mehr veganes Selbstbewusstsein gehabt, wäre es vielleicht zu einer Erklärung gekommen.

Seit Jahren versucht man, den Verbrauchern beizubringen, was Analogprodukte sind: Analogkäse gar ohne Milch gemacht und trotzdem als Käse verkauft, zum Beispiel, und Wurst ohne Fleisch, zum Beispiel. Viele (und ich auch) meinen, dass das eine Täuschung ist, denn was aus dem Labor kommt, müsste als solches deutlich (und groß geschrieben) deklariert werden.
Nun aber schiebt uns die Lebensmittelindustrie diese Lebensmittelfälschungen (man kann sogar vegane Bolognese kaufen!) durch die Hintertür in die Einkaufstasche. Was verpönt war, gilt jetzt als welt- und tierrettendes bestes Zeug. Der Modewahn oder, wenn man will, die Naivität oder vielleicht einfach das reaktionäre einerzogene Gedankengut einer Minderheit, die sich jedoch sehr eifrig und effizient der Massmedia bedient, kommt dabei so gelegen, dass man denken könnte, Veganismus hätten sich die Lebensmittelkonzerne selbst ausgedacht.

Kleine Minderheit, dachte ich am Anfang, ignorieren wir die und wird schnell vorbei gehen, diese unnatürliche und (bewusst oder unbewusst) verlogene Mode. Bis ich zu der Überzeugung gekommen bin, dass die Kehrtwende in unserer Esskultur, die auch danke dem Veganismus gelingt, nachhaltig sein wird: Analogkäse, Analogschnitzel, Analogbolognese, Analogwasweißich hielten wir früher ganz spontan für schlecht, in der Zukunft wird es gut sein, alles analog, alles als ob es echt wäre, nur nicht echt, sondern ganz modisch-chemisch und sogar nach „bio-Kriterien“ im Labor zusammengestellt, gestern ausgekochte Fälschung, heute tier-, menschen-, körper-, seelen- und universumfreundliche Raffinesse .

Deshalb sage ich laut: Hausverbot. Und wenn ich Käse esse, will ich echten Käse haben, aus möglichst natürlicher Ziegen-, Kuh- oder Schafsmilch, egal, aber echten Käse und nicht das-als- ob-es- wäre. Wenn ich mich für ein Schnitzel entscheide, dann soll es aus Fleisch sein und möchte sogar wissen aus welchem Tier woher und wie es zu Schnitzel wurde, so grausam und tierunfreundlich will ich sein.

Wer vegan kohärent sein will, soll sich bitte mit Körnern, Samen, Gras und Vegetables begnügen. Alles anderes ist foodpolitisch reaktionär, unnatürlich manipuliert und weltanschaulich verseuchend.

Ach diese alte Überzeugung, der Mensch sei Herrscher der Natur und sage ihr, was sie zu tun hat! Tier frisst Tier, schon seit es auf der Erde Tiere gibt. Und jetzt soll man ihr (der Natur) beibringen, es anders zu tun?

 

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Loretta Petti
Kommentiere diesen Post

Kommentare