Durch Loretta Petti
Ich werde mir keine Maske kaufen, keine selber nähen, keine geschenkt haben wollen. Ausschließlich in den Situationen, in denen es Pflicht ist, werde ich mich mit einem Schal vermummen. Weil es Pflicht ist und ich Ärger vermeiden möchte.
Ich will nicht, dass die Maske zur neuen Normalität wird. Denn in Wirklichkeit ist dieses das Wahrscheinlichste und das Ziel: Immer wieder wird man uns die Kontaktsperre und die Vermummung verordnen, weil der Viruskrieg nicht hier und nicht in den nächsten Monaten endet. Dieses Corona ist nur das erste, nur der Anfang.
Ich will aber nicht ständig Krieg führen müssen. Weder gegen das Virus noch gegen die Chinesen. Ich will auch nicht ständig im Alarmzustand leben. Lieber riskiere ich (ja, ich Risikoperson) an Corona zu erkranken. Genauso wie ich jede Sekunde meines Lebens riskiere (ja, ich Risikoperson) an Krebs zu erkranken oder mit einer akuten Blinddarmentzündung im Krankenhaus zu landen oder…
Ist es denkbar, dass die Schutzmaske in unserer Welt ein normales Alltagsaccessoire wird? Soll man das annehmen und einfach damit leben lernen?
Ich sage nein, nein und Tausendmal nein. Denn Abstandhalten und Vermummung wären ein radikaler Bruch in unserer Kommunikation, die so sehr auf Mimik, Gestik und körperlicher Nähe basiert: Die Augen einer Person, ihr Gesicht und selbst ihre Positur sagen uns oft mehr als die Wörter. So sind wir gewohnt, so (er)kennen wir uns: Es gibt emotionale Zeichen in der Kommunikation, die unverzichtbar sind. Diese Kultur ist unsere Natur geworden.
Nicht nur home office, nicht nur Webinars, nicht nur mehr Theater und Konzerte online und weniger live, nicht nur kein Kino mehr und Heimstreaming ohne Ende… Und Roboter in der Pflege, mit den Alten und mit den Kindern… Corona wird die Arbeitsorganisation und viel in der Infrastruktur unserer Gesellschaft verändern. Nicht zum Besseren. Corona wird unsere Kommunikation – die von Person zu Person - grundlegend verändern. Nicht zum Besseren.
Nun, ich bin nicht die Konservative, die unbedingt an Traditionen fest hält: Wenn etwas überholt ist, sollte man es in den Korb des Überflüssigen werfen. Hier geht es aber nicht um Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten: Hier geht es um unsere Art zusammenzukommen und uns zu verständigen. Wollen wir das? Wollen wir, dass jede/r für sich in einer verschlossenen vermummten Welt lebt, in der man nur über festgelegte Rituale und Apps kommuniziert? Und das nur weil wir mit dem Gedanken nicht mehr leben können, an etwas (z.B. einem Virus… wäre auch nicht das erste Mal) zu erkranken?
Ich meinerseits will es nicht. Ich will nicht, dass diese „neue Normalität“ zur Normalität wird. Und das aus vielen Gründen, die weit über das Thema Vermummung hinausgehen: Zum Beispiel weil sie die Grundstruktur eines demokratischen Staats, nämlich die Gewaltenteilung aushebelt. Zum Beispiel weil sie Grundrechte aussetzt. Zum Beispiel weil sie unser soziales Leben aus den Angeln (und nicht im Positiven) hebt. Die Maske ist das äußerste Zeichen tiefgreifender Einschränkungen unserer Freiheit. Und nein, liebe Freunde, ich verteidige hier nicht die eigene individuelle egoistische Freizügigkeit, sondern die Freiheit, die mir ermöglicht, mit allen in Würde und gegenseitigem Respekt zusammenzuleben.
Und eben Würde, reden wir mal von Würde.
Man hat lange um das recht gekämpft, in Würde sterben zu dürfen. Ich auch, ich wünsche es mir auch so: Wenn meine Zeit kommt, egal ob in zehn Stunden oder in zehn Jahren, will ich in einer vertrauten Umgebung, mit den Gesichtern geliebter Menschen um mich herum und nicht intubiert, nicht an Geräten angeschlossen, nicht einsam auf einer Intensivstation sterben. Jetzt aber wollen so viele, dass ich, Risikoperson, sogar wie eine Pestkranke abgesondert werde, dass ich unbedingt an Geräten angeschlossen werde. Und man sagt, es sei für mich, für meine Gesundheit gewollt. Schöner Schein der Selbstlosigkeit!
Ich werde keine Maske tragen, keine vor dem Mund und keine vor dem Hirn, ich, das perfekte Corona-Opfer, ich über 65 Jahre alt, mit Herzschrittmacher, etwas asthmatisch, übergewichtig, mit Bluthochdruck und Altersdiabetes, mit Nebenhöhlenentzündung sowie Eltern und viel Verwandtschaft, die vom Krebs aufgefressen wurden. Denn an etwas muss man sterben. Aber man stirbt eher in Frieden, wenn man bis ans Ende gelebt hat.
Aus all diesen Gründen werde ich keine Maske tragen.
Eclipse Next 2019 - Gehosted von Overblog