Durch Loretta Petti
Sie treffen sich am Eckensee und auf /vor der Treppe am Kleinen Schlossplatz. Warum haben sie ihre Wut nicht - zum Beispiel – gegen die Staatsoper oder den Landtag gerichtet? Sie hätten im Schlossgarten randalieren können. Oder direkt auf dem Schlossplatz. Stattdessen wandern sie durch die Königstraße und „zerlegen“ da einige Geschäfte. Nicht zu plündern, sondern um den Zerlegungswillen.
Königstraße, Ort des nackten Konsums und der extremen Entfremdung, Zeichen und Emblem der Entwicklung im Stadtzentrum: nur Kommerz, kein Leben, Unmenschlichkeit und Monostruktur.
Nun, Plätze in denen man sich zu Hause fühlt werden nicht zerlegt, denn da will man bleiben, sich wieder und wieder treffen. Aber die Königstraße? Ist das ein Ort von dem man spontan sagen würde „unsere Königstraße“? Natürlich tut es leid für die Ladenbesitzer, aber mal ehrlich, hat jemand gedacht „Auweia, meine Königstraße“?
Frustration, ja klar. Und Fragen nach den Ursachen, wäre gut. Und Erklärungen sind keine Entschuldigung, selbstverständlich. Worin doch Alle ohne Ausnahme sich gleichen, egal ob von links oder von rechts, ob Berufspolitiker oder gemeines Volk ist erstens das Theater mit der Überraschung („Wer hätte das erwartet hier in Stuttgart!“) und zweitens der Ruf nach mehr Polizei und mehr „Sicherheit“.
Aber wie wäre es mit einer humaneren Stadtmitte? Denkt jemand daran? Kann sich denn keine/r eine andere Entwicklung des Stadtzentrums vorstellen? Und ich meine dabei nicht die aktuellen bruchstückhaften Besserungen mit den paar hundert Metern Fahrradstraße mal da mal dort, sondern ein gesamtes Konzept. Offensichtlich kann sich niemand eine Stadtmitte vorstellen, in der sich Menschen jeden Alters gut fühlen und von der man vorbehaltlos sagen kann: „unsere Mitte“.
An Unorten kann man sich abreagieren, die zu zerlegen ist echt geil und am krassesten. Plätze, die allen teuer sind und sich wie unser Zuhause anfühlen werden eher respektiert.
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