Wenn man einmal einen guten, einen sehr guten Film gesehen hat und ihn liebt, zögert man oft, den sich ein zweites Mal anzuschauen, weil die Erwartungen hoch sind und man fürchtet, ohne den Überraschungseffekt enttäuscht zu werden.
THE QUIET GIRL, Debüt vom irischen Regisseur Colm Bairéad hatte ich kurz nach seinem Erscheinen 2022 gesehen. Jahre danach während meines Urlaubs in Irland habe ich – mehr zufällig als gesucht/gewollt - das Buch von Claire Keegan „Foster“, auf dem der Film basiert, zu lesen bekommen. Ich war begeistert von dieser Schriftstellerin. Das Buch hat mich gleich an den Film erinnert.
Nun ist THE QUIET GIRL schon seit Tagen in der ARD-Mediathek. Mehr als ein mal war ich mit dem Mauscursor darauf und „Soll ich klicken? Will ich es wieder sehen?“ habe mich gefragt. Jetzt und heute habe ich es doch getan und … schön, noch schöner! Kinojuwel, irische Filmperle, eine stille Sensation, schreibt die Kritik. Recht haben die. The Quiet Girl ist bewegend ohne Pathos, wunderbar fotografiert, ein Film der kleinen Gesten, die viel sagen. So wie im Buch: Claire Keegan ist die Schriftstellerin des Ungesagten, lässt hinter den Wörtern Gefühle, Gedanken, Wünsche und Leben spüren und erahnen, ohne zu beschreiben, gar ohne zu benennen. Wie schafft sie es? Ist das vielleicht eine Eigenschaft der Schriftsteller Irlands, dieses Landes der stillen weiten Landschaften?