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Kürbiskampf / 1

Monday, October 13, 2003


Das Italienische Kulturinstitut veranstaltet oft "Reihen", die sich mit einer Region befassen. Für das Kulinarische bin ich auch manchmal im Spiel. Es geht darum, sich Gerichte aus der Region auszudenken, sie zu "konkretisieren" und das Ergebnis dann an den Mann + Frau zu bringen, d. h. es in den Ablauf einer Veranstaltung "einzubetten". Das Schöne dabei ist, daß ich fast immer nicht nur auf meine Kochbücher zurückgreifen kann, sondern die Möglichkeit habe, es mit einem menschlichen Wesen zu planen, das aus der Region selbst kommt. Was für mich wie ein kleines Entdeckungsabenteuer ist (und deshalb macht es noch mehr Spaß), fängt also mit einer Art brain storming an: dabei geht es darum, Erinnerungen, Erfahrungen, Eindrücke wieder wach werden zu lassen. Mich interessieren nicht nur wie etwas vorbereitet wird und was man dazu braucht, sondern auch die Farben-, Aroma- und Geschmackeindrücke, die das Gericht hinterlassen hat, sowie bei welcher Gelegenheit und von welchen Leuten es hauptsächlich gegessen wird / wurde. So rekonstruieren ich und das andere menschliche Wesen eine Art Mikrogeschichte, wodurch ich mir diese Spezialität und ihre Zubereitung "vorstellen" kann.

An diesem Wochenende war die Emilia Romagna an der Reihe und mein Planungspartner war Cesare vom Italienischen Kulturinstitut. Cesare ist immer sehr kollaborativ, brainstormt gerne und dabei bringt eine naive Begeisterung ans Licht, die ich mag. Genußmensch. Er auch.

Emilia Romagna, also. Als Erstes fallen uns selbstverständlich die Tortellini ein. Gleich danach die Lasagne. Nanu, nichts neues. Können wir trotzdem machen. Aber schon bekannt. Zu bekannt. Mal `was anderes? Kürbis. Tortellini mit Kürbisfüllung. Nein, zu schwierig, zuviel Arbeit, mache ich nicht. Na dann Kürbiscannelloni. Könnte man machen. "Meine Muttter macht sie so..." Erzählt Cesare. Und somit ist die neue Herausforderung für mich da. Bei uns in der Toskana kennt man zwar Kürbisse, ich kann mich aber an kein Gericht mit ihnen erinnern. Nur Kürbiskerne werden getrocknet und genascht.

Cesare bietet an, die Kürbisse aus Italien zu bringen, weil man hier die Sorte nicht findet. Tatsächlich kommt er ein Paar Tage später aus Italien zurück mit zwei riesigen Taschen in der Hand. Drinnen gibt es große graue und kleinere grünorange Kürbisse.


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