Das sizilianische Dilemma oder die Unveränderbarkheit der Dinge
10.10.2008
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Durch Loretta Petti
"Alles muß sich ändern, damit alles so bleiben kann, wie es ist": Das ist vielleicht der berühmteste Satz aus dem Roman Il Gattopardo. "Bisogna che tutto cambi, affinché tutto resti com'è". Das sagt der Principe di Salina dem Gesandten der piemontesischen Regierung, der ihn bittet, sich im vereinigten Italien politisch zu engagieren. Und so ist ein Teil des sizilianischen Adels bereit, nach der Revolution Garibaldis mit den neuen Machthabern aus dem Norden zu paktieren, "Damit alles so bleiben kann, wie es ist". Und das Volk? Die Armen Siziliens? Ein Tagebuch erzählt von der Expedition Garibaldis nach Süditalien, es wurde von Giuseppe Cesare Abba geschrieben, einem der knapp tausend Freiwilligen (i Mille), die am 5 Mai 1860 aus Quarto in der Nähe von Genua abfahren, wenige Tage danach in Marsala landen und die Revolte entfachen, die zur Vereinigung Italiens führen wird. Da Quarto al Volturno ist der Titel. Bekannt ist das Gespräch mit einem Mönch, Pater Carmelo, den Abba versucht zu überzeugen, sich den Garibaldini anzuschließen. Mir ist keine Übersetzung bekannt. Deswegen auf Italienisch: "Mi son fatto un amico. Ha ventisette anni, ne mostra quaranta: è monaco e si chiama padre Carmelo. Sedevamo a mezza costa del colle che figura il Calvario delle tre croci, sopra questo borgo, presso il cimitero. Avevamo in faccia Monreale, sdraiata in quella sua lussuria di giardini; l’ora era mesta, e parlavamo della rivoluzione. L’anima di padre Carmelo strideva. Vorrebbe essere uno di noi, per lanciarsi nell’avventura col suo gran cuore, ma qualcosa lo (t)rattiene dal farlo. -Venite con noi, vi vorranno tutti bene. -Non posso. -Forse perché siete frate? ... -Verrei, se sapessi che farete qualche cosa di grande davvero: ma ho parlato con molti dei vostri, e non mi hanno saputo dir altro che volete unire l’Italia. -Certo; per farne un grande e solo popolo. -Un solo territorio...! In quanto al popolo, solo o diviso, se soffre, soffre; ed io non so che vogliate farlo felice. -Felice! Il popolo avrà libertà e scuole. -E nient’altro! – interruppe il frate – perché la libertà non è pane, e la scuola nemmeno. Queste cose basteranno forse per voi Piemontesi: per noi qui no.... "Die Freiheit ist kein Brot", sagt Padre Carmelo. Das ist das Dilemma Siziliens: Man zieht das Brot, das knechtet, der Freiheit vor. Man bleibt bei der Mafia, die herrscht und mordet, weil sie das Überleben sichert. Es hat sich nicht viel geändert auf Sizilien: Die Freiheit ist noch kein Brot... Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zum Essen bitte sehr!