Durch Loretta Petti
Interview mit Sebastian Turner in der SZ vom 17.8.12:
„… Den Bahnhofsbefürwortern verdanken wir den entstehenden Freiraum (für Wohnungsbau), und den Bahnhofsgegnern verdanken wir höhe Maßstäbe bei der Qualität. Ich stelle mir vor, dass die Stuttgarter Exkursionen nach ganz Europa unternehmen. Dorthin, wo in den vergangenen 150 Jahren großflächige Stadtgestaltung stattgefunden hat. Unter Führung fachkundiger Architekten sollen sie sich eine Meinung bilden und mit einem Pflichtenheft zurückkehren: Dieses wollen wir in Stuttgart haben und jenes nicht“.
So, als ob die Bahnhofsgegner nicht wüssten, was sie wollen, und es nicht seit Jahren deutlich und laut sagen würden. Das von Turner ist nicht mal ignorante Überheblichkeit, viel mehr ist das „Übersehlichkeit“. Er kann die Geschichte, die Vergangenheit und die Gegenwart dieser Stadt einfach nicht sehen, weil sie für ihn keinen Wert haben. Eine Stadt, aus der die besten Ingenieure der Welt und unter den besten Architekten stammen, wird auf Wandertour auf der Suche nach der guten Architektur geschickt. Diesem neugeborenen Stuttgarter, der erst jetzt die Augen aufmachen und die Welt entdecken soll, gilt dann das Gehör von Herrn Turner. Die Stuttgarter, die schon lange hier leben und diese wütende und zerstörende Bauspekulation der Schusterzeiten viel zu gut kennen, gibt es für ihn nicht. Wir verstehen: Das abgehobene global Dorf, aus dem Herr Turner auf die Welt hinunter schaut, ist noch nicht auf den Boden gekommen. Von da oben kann man manches übersehen.
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