Durch Loretta Petti
1944 wurden die Bewohner dieses kleinen Dorfes der Provinz Lucca in der Toskana, vor allem Frauen und Kinder, von Truppen der Waffen-SS ermordet. Enrico Pieri ist einer der wenigen, die das Massaker überlebt haben. Er ist nach Deutschland gekommen, um zu fordern, dass den Mördern von damals Prozess gemacht wird (s. SZ vom 1.2., Überlebender von NS-Massaker will Gerechtigkeit). Wenn man ihn kenngelernt hat, Einrico Pieri, weißt man auch warum die noch lebenden SS-Männer vor ein Gericht gestellt werden müssen.
In diesem schreienden skurrilen Italien ist er eine Ausnahmeerscheinung, er ist ein Leiser, einer der aber felsenfest und unermüdlich zu seinen Überzeugungen steht. Er steht für Frieden und Freiheit, das sagt er mehrmals an diesem Abend, den ich zusammen mit ihm und anderen verbringe. Mit unendlicher Würde und Aufrichtigkeit sagt er das.
Enrico Pieri ist einer der vielen auf dieser Welt, denen viel Leid angetan wurde (seine ganze Familie wurde von den SS ermordet, er war 10 Jahre alt) und die man hat vergessen wollen. Denn er hat keine Wiedergutmachung erfahren. Bei Verwandten aufgewachsen, hat er als Migrant 30 Jahre in der Schweiz verbracht: „Ich war ja allein, hatte keine Familie, hatte nichts, so bin ich in die Schweiz arbeiten“ . Und da verbinden uns nicht nur die toskanische Herkunft, sondern auch gemeinsame Migrationserinnerungen: Die Colonie Libere, diese große Organisation der italienischen Arbeiter in der Schweiz, in der er sich engagierte und mit der ich auch kurz in Kontakt war.
Enrico Pieri, der Vergessene. Er will aber nicht, dass man vergisst: Er kümmert sich um das Museo Storico della Resistenza, er erzählt Schulklassen über Sant’Anna, über den Faschismus und die Demokratie. Er erinnert sich und will, dass alle andere auch hier in Deutschland nicht vergessen. Und das nicht weil er Rache will: Es ist einfach die Gerechtigkeit, die Wiedergutmachung, die la Germania ihm schuldet.
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