Durch Loretta Petti
In den 60er bis 70er Jahren war die Parole Mobilität, Autos, Straßen. So wurden Plätze zu Kreuzungen, Stadtalleen zu Stadtautobahnen. Und vor allem: Asphalt überall. Was es uns an Lebensqualität gekostet hat (und noch kostet), das wissen wir heute.
Die Parole dieser letzten Jahre heißt Urbanität. Weg von den „postmodernen“ Verzierungsversuchen, kehrt man zur Übersichtlichkeit, Offenheit oder – anders gesagt – Transparenz des städtischen Raumes zurück. Daher kommt das Lineare, das Begehbare, das Rechteckige und Kubische vieler Konstruktionen. Und Glas, soviel Glas.
Nun, in Stuttgart sperren anscheinend Bäume und grünes Zeug nicht selten die Sicht, so dass es schwer scheint, die gewünschte Übersichtlichkeit zu erreichen. Deswegen wird alter schöner (und gesunder) Baumbestand oft gefällt, Wiesen und Gebüsch werden betoniert, um (eben) Sicht zu schaffen.
So entstehen die sehr übersichtliche Steinwüste Marienplatz, die z. Teil faschistoide Steinwüste Bankenviertel, die angeblich verspielte Steinwüste Boschareal. Für die Zukunft sind die Steinwüste ehemaliges WGV-Gebäude an der Paulinenbrücke, die Steinwüste QuartierS ebenfalls an der Paulinenbrücke-Tübingerstraße sowie die Wüste überhaupt und an sich (aber nota bene mit Bullaugen und kleinen frischen Bäumchen dazwischen) Stuttgart 21, (siehe neuer moderner Hauptbahnhof) geplant. Einige halten das (eben) für Urbanität, andere für Bauspekulation.
Man nenne es wie man will, eines steht fest: Stuttgart wird immer steiniger und wüstiger. Wir wissen auch nicht, wie viel unsere Nachfahren dafür an Lebensqualität einbüßen werden. Im Grunde das auch eine Nebensächlichkeit. Denn Hauptsache ist: Wir werden moderner und städtischer. Und zwar jetzt gleich.
Die Enkelkinder der jetzigen Generationen werden dann im Museum für die Stadtgeschichte von Herrn Schuster erfahren, wie ein Baum aussieht.
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