Im SET der Filmgalerie 451 haben wir den ersten Film der kleinen Neorealismo-Reihe gesehen: MAMMA ROMA von Pasolini. Puristische, metaphysische Bilder: Die Schauspieler stehen vor nackten Hintergründen, auf einsamen verödeten Asphaltstraßen, reden und schweigen lange vor einer fixen Kamera, die sie oft von ganz nah aufnimmt.
Der Film erinnert mich an New York. Ei n Paar Ewigkeiten her im MOMA haben sie eine Anna-Magnani-Retrospektive gezeigt. Ich war i n jenen Tagen Touristin in New York und durfte erleben, wie die Newyorker auf so einen Film reagieren. Der kleine Kinosaal des Moma war voll und man hätte sich auch in Europa befinden können: Intellektuelle so wie man sie auch hier bei einem solchen Ereignis trifft. Bis auf die ehrfürchtige Aufmerksamkeit, bis auf die Rührung, die man unter den Leuten wachsen spüren könnte.
Nein, Mamma Roma ist kein Film des Neorealismo. Mamma Roma ist pure Metaphysik. Mamma Roma ist Weltphilosophie in Bildern.
Obwohl die meisten Szenen sich im freien Abspielen ist der Film fast ein Kammertheaterspiel: Lange Dialoge oder besser gesagt Monologe von Anna Magnani bzw. Mamma Roma, die durch das Leben wandert und flüchtig von Menschen begleitet wird. In einem Niemandsland zwischen Acquedotto Romano und Terme di Caracalla reift das Schicksal der jungen Leute um den Sohn von Mamma Roma. Am Horizont wächst die Stadt, die moderne Betonstadt mit den Wohnsilos. An dieser Invasion der Moderne werden die Naiven und die Törichten - in diesem Fall der Sohn von Mamma Roma - wie Christus sterben. Dem Traum des Wohlstandes werden die blinden Lebensgierigen und Liebenden das opfern müssen, was sie über alles lieben, weil sie eben das Naive, das Urige, letzten Endes die Natur verraten haben. Daran wird Mamma Roma ihren Sohn verlieren.
Macht man solche Filme noch? Filme die Kino sind, die eine Geschichte erzählen und gleichzeitig Kunst sind? Mamma Roma ist wunderbar restauriert. In einem edlen Schwarzweiß ist jede Kameraeinstellung ein Kunstwerk und eine Aussage über die Weltanschauung Pasolinis. Und seine Schauspieler... diese Gesichter...
Pasolini ist kein Regisseur des Neorealismo, davon bin ich überzeugt...
Friday, April 27, 2007