Nazis, neo oder alt, gibt es immer viel zu viele. Mit ihren Parolen und Taten gegen Ausländer sind sie ja gefährlich genug und nicht zu unterschätzen. So sind sie aber sichtbar, erfassbar, denke ich mir. Nahrung und Boden für den Faschismus ist viel mehr jener stillschweigender, unauffälliger Rassismus, der in den Köpfen von vielen "Normalos" sitzt und sich im Kleinen zeigt. Das ist gefährlich!
In den letzten Jahren gab es leider genug Vorfälle von brutaler Gewalt gegen Ausländer. Sichtbar. Wie steht es aber mit dem kaum merkbaren Faschismus in unserem Alltag?
Es gibt eine Art der Diskriminierung, die man fast nicht sieht und von der man kaum glauben will, daß es um Diskriminierung geht. Manchmal wird man nur ein bißchen anders behandelt, fast unmerklich anders, so das man sich fragt, ob man (oder frau) nicht zu sensibel reagiert. In diesen Fällen kann man oft keinen Unterschied im Stand der Dinge sehen. Bis auf einen: Er/sie ist Deutsche/r, wir nicht.
Eben das. Eben das wollten wir aber nicht! Darauf wollten wir nicht zurückgreifen, nein. Dieses Gejammer der "Nicht-Deutschen", nein, das ist nicht unsere Sache. Wir lassen uns nicht in die Ecke der underdogs verdrängen, wir haben auch keine Minderwertigkeitskomplexe: Unsere Kultur ist nicht weniger Wert als "ihre Leitkultur", wir stehen dazu und können uns - erhobenen Kopfes sozusagen - der "Leitkultur" auch annähern. Wir lesen zwar unseren Umberto Eco und Alessandro Manzoni, aber auch den Günter Grass und den Thomas Mann versuchen wir zu lesen. Also wir nicht, wir selber wollen auf keinen Fall mit dieser alten Geschichte des Unterschieds anfangen. Integriert haben wir uns auch, ja, schon lange. Wir sind zwar trotz der vielen Jahre hier noch ein bißchen anders, aber nur als Individuum, nur weil jeder Mensch eben so ist: eigen. Und es ist gut so. Ich, was mich angeht, ich gebe es zu, ich also bin auch gewollt und bewußt "italienischanders". Weil es so gut ist, weil ich mich nicht so einfach gleichschalten lasse, weil ich meine Geschichte und meine Wurzeln brauche, um Mensch zu sein. Mein Wert ist aber gleich, ja ich bin gleichwertig wie alle andere, wie die Deutschen und die Türken, wie die Christen und die Moslime und die Atheisten. Deswegen habe ich ganz natürlich auch Recht auf eine gleichwertige Behandlung.
Man sucht also nach einer Erklärung, warum ganz alltägliche Dinge mal so mal so passieren. Man findet aber keine. Bis man sich die Frage anders stellt: Warum darf der Deutsche, während der Türke und die Italienerin nebenan nicht dürfen? So formuliert, bekommt die Frage auch schnell eine Antwort, obwohl man sich bis zum Letzten gegen Deutungen wehrt, die mit dem "Paß" (Bürger mit ausländischem Paß werden wir im Fachjargon manchmal genannt) zu tu haben: Der Deutsche darf weil er deutsch(er) ist. Uns fällt nichts anderes, nichts realistischeres (oder surrealistischeres?) ein.