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UNSERE ALLTÄGLICHE DISKRIMINIERUNG/2

 
Nun, regelmäßig bekomme ich Strafzetteln (bzw. schriftliche Verwarnungen) von den Mitarbeiterinnen der kommunalen Verkehrsüberwachung wegen unerlaubten Haltens vor meinem Trattoria in der Büchsenstraße. Und das obwohl ich in der Zeit (morgens bis 11 Uhr) da verweile, in der das Halten zum Ausladen den Geschäftsleuten und ihren Lieferanten erlaubt ist. In der gleichen Zeit und meistens viel länger parkt da auch mein deutscher Geschäftsnachbar. Unbehelligt. Denn kein Zettel hängt an seinem Scheibenwischer. Warum ich ja und er nicht? Hat er vielleicht eine Sondervereinbarung mit der Stadt? Sind die Scheibenwischer seines Wagens vielleicht zu hoch für die Stadtpolitessen?
Ich rufe das zuständige Amt an. Junge Frauenstimme antwortet. Sie sucht nach Rechtfertigungen: Ich dürfe nur halten, schnell ausladen und dann müßte gleich weg. Ja, aber der Nachbar? Ich soll wieder anrufen und mit der Urheberin der Verwarnung das bitte klären. Unvermeidlicher Schluß des Telephonats. Zwei Tage danach habe ich das Glück, mit der Person zu sprechen. Die Beanstandung/Erklärung: Von 9,40 Uhr bis 9,42 Uhr hätte sie keine Ladetätigkeit meinerseits beobachtet! Und mein Nachbar, dessen Wagen stundenlang verlassen (d.h. ohne beobachtbare Ladetätigkeit) da steht? Das gehe mich nicht an.


So werde ich mit meiner Frage sitzen gelassen: Warum ich? Und warum er nicht? Keine Erklärung. Dann aber... Man fragt sich weiter: Agieren vielleicht die Stadtmitarbeiter (unbewußt?) nach dem Prinzip, daß einige "Andere" weniger berechtigt sind und einen höheren Zoll zahlen müssen? Letzten Endes geben alle, Deutsche und "Andere", ihre Gebühren für das Zusammenleben ab. Muß die Abgabe der "Anderen" höher ausfallen? Müssen wir "Andere" mehr zahlen, um dazu zu gehören? Und vor allem, müssen wir für alles, was wir tun, Rechtfertigung und Beweis produzieren, weil die natürliche Neigung von jedem nicht-Deutschen bestenfalls Lüge und Betrug ist? Ja, von Natur her, vom Ursprung auf gehört man nicht dazu, das ist die Antwort vielleicht. Die Tatsache, daß man hie oder dort geboren wurde, bedeutet offensichtlich nichts anderes als ein lebenslanges Schicksal: Terrorist wird man z.B. geboren, ja, in einem arabischen bzw. muslimischen Land wird man als Terrorist geboren. Und du mußt mir bitteschön beweisen, daß du keiner bist! Im Zweifelsfall gegen den Angeklagten, wie man so sagt. Wenn du z.B. als Frau in Italien auf die Welt kommst (viel milderes Schicksal!) wirst du gleich als Mama geboren. Und singen mußt du auch können, bitteschön, alle Italiener, Männer und Frauen müssen können. Was sie, die Italiener, den Deutschen im Grunde viel sympathischer als die terroristischen Türken und Araber macht, denn Spaghetti und O sole mio haben die Deutschen sowieso immer geliebt. Ein Beweis von zweitklassigem Menschentum ist das trotzdem. Und vor allem muß man davon ausgehen, daß ein/e Italiener/in lügt und betrügt. Ist es nicht so? Beweis bitte herbringen! Im Zweifelsfall gegen die Angeklagten. Tja, es ist nicht so leicht, diesem ganz eigenen Schicksal zu entrinnen!

Friday, July 13, 2007 
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