... war ich (kinoweise) ganz woanders, nämlich hatte ich das geschrieben:
Bald ist wieder K und K (Kino und Kochen) im Set / Filmgalerie 451. In der Zeit dazwischen tobe ich mich mit amerikanischen Filmen aus: MICHAEL CLAYTON (danke Marc für den Hinweis, ganz neu und gleich für mich beiseite gelegt!) und Scorseses GANGS OF NEW YORK (Ja, hatte ich noch nicht gesehen). Scheint so eine beliebige Auswahl zu sein. Aber es ist nicht so: schaue mir MICHAEL CLAYTON an und muß (seltsam?) an Scorseses THE DEPARTED denken. Letzteren hatte ich schon gesehen, um Wiederholungen zu vermeiden (?!) habe mir also GANGS OF NEW YORK angeschaut. Jajajaja, es gibt einen Zusammenhang.
MICHAEL CLAYTON (hoch gelobt von der Kritik) würde man auf Neuitalienisch einen Film "buonista" nennen, einen Film des guten Willens und der guten Absichten: Ein wenig lahm, ein wenig oberflächlich und vor allem mit dem guten Amerikaner, der am Ende heldenhaft alles rettet. Clooney ist politisch korrekt und macht politisch korrekte Filme, er zeigt uns die besseren Amerikaner, er gibt uns Hoffnung. Ich sehe ihn als MICHAEL CLAYTON und muß ungewollt an den ganz bösen, politisch unkorrekten Scorsese denken. In THE DEPARTED sagt er uns, daß es zwischen Kriminellen und Kriminellenjägern keinen Unterschied mehr gibt, daß alles Teil von einem einzigen Plan ist. Bush und Bin Laden sind gleich(wertig), hatte jemand mal gesagt. Scorsese sagt es auch: Es gibt keine guten Helden mehr, es gibt nur Leute, die mit allen Mitteln ihre Ziele verfolgen, egal was es kostet, jenseits jeglicher Moral. Das ist Amerika in der Zeit von Bush. Scorsese läßt uns kaum Illusionen, er sagt uns gar ohne (selbst)Mitleid, wieviel wir von diesem Amerika zu erwarten haben und auch warum. Grandioser Film, ganz boser Film, ganz wahrer Film. Mit THE DEPARTED gibt Scorsese uns zu denken, er bewegt, er läßt uns mit Wut im Bauch, er beunruhigt (Michael Clayton beruhigt), den Film nehmen wir mit nach Hause, lassen wir ihn nicht so einfach im Kino liegen.
Im MICHAEL CLAYTON wird von etwas erzählt, das sich wirklich ereignen könnte, halb so neu: es ist uns bekannt, dass einige Konzerne so "arbeiten". Scorsese serviert uns stattdessen einen harten Krimi mit Mafia, Polizisten und viel Action, puren Kinostoff also, und dabei philosophiert er über Amerika, Gott und die Welt. Trotzdem ist Scorsese... wie kann man es sagen... wirklichkeitsnäher? Ja, er erzählt uns mehr von der amerikanischen Wirklichkeit...
GANGS OF NEW YORK habe ich "nachholen" wollen. Grandioser Film, das ist der erste Gedanke. Ein bißchen zu lang manchmal, zu sehr in sich selbst verliebt manchmal, und trotzdem grandios. Ja, dieser Hang Scorseses für die amerikanische Geschichte und die Paar (wunderbare) Flops, die er darüber gedreht hat (denke an DIE ZEIT DER UNSCHULD z.B., sehr schöner Film). GANGS OF NEW YORK ist ein starker Film mit perfekten Bildern der uns (wieder) viel über das heutige Amerika sagt. Er zeigt uns, wo die Wurzel der Ideologie vom self-made-man, vom american dream stecken: Amerika stammt aus diesem harten Kampf jedes gegen jeden. Die härtesten rücksichtslosesten Kämpfer sind dann die Sieger des american dreams geworden, sie sind die Reichen und Mächtigen. Und diese Sieger sind Krieger, die Bösheit und Güte, die größte Naivität mit der höchsten Schlauheit in sich verbinden. That’s America, ja, und das erklärt uns, warum sich dieses Land das Recht nimmt, Krieg gegen jedweden zu führen, ohne sich rechtfertigen zu müssen: Die Amerikaner sind aus diesem harten Kampf der Anfänge als Sieger, als die Besten hervorgegangen, Sie sind also die Besten und die Stärksten auf der Welt in aller Ewigkeit. Dieses Bewußtsein liegt ihnen im Blut. Daher sind für viele Durchschnittsamerikaner die Kriege für die Herrschaft über "minderwertige" Völker (Vietnam, Irak) selbstverständlich. Die Amerikaner sind Krieger, aus diesen wirklich ganz harten Kämpfen in den Straßen von New York (oder auch für die Eroberung/Aneignung des Westens) sind die USA entstanden und von diesem Mythos ernähren sie sich. In diesem Kampf um die Macht und ums Geld sind die Grenzen zwischen Gut und Böse wie weggewischt, es gibt kein Ethos mehr, die Menschen stehen seelisch nackt da, sie lieben, hassen, geben und nehmen auf einer animalischen nackten Art, Haß wird zu Liebe und umgekehrt, Demokratie wechselt zum Gegensatz, eine Hoffnung leuchtet auf und gleich wird sie gelöscht. That’s Amerika! Und that‘s Scorsese. Bene!
Also, gar keine Hoffnung? Gar keine, Scorsese? Wie? Wirklich? ...
Aahhh... wie wäre es mit Barak Obama als Präsident? Zu klein und harmlos gegenüber dieser tiefgründigen Bosheit? Jajaja... und trotzdem... Hoffen liegt in der Natur des Menschen!
Wednesday, March 12, 2008