Overblog Alle Blogs Top-Blogs Lifestyle
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Werbung

Die Gedanken sind nicht frei

Nie waren die Besuche des WKDs (Wirtschaftskontolldienstes) bei mir (und ich nehme an auch bei den anderen winzigen Gastronomen) so frequent wie in der Zeit der Gammelfleischskandale. Man konnte denken, das sei eine Reaktion gegen das Machtlosigkeitsgefühl, das sich vieler Kontrolleure bemächtigt haben soll: Riesige Lager mit Hochregalen, in denen weißgottwas und wievielvonwas vor sich hin vergammelte, die Fleischmafia, die Spielereien der Beziehungen und Lobbies...Wie konnte / kann man in solche verworrene Geschäfte effektiv eingreifen? Unmöglich. Viel einfacher sich mit uns kleinen bis winzigen Gastronomen, Ladeninhabern, Metzgern u.ä. beschäftigen: Bei uns findet man immer irgendeine Lappalie zu beanstanden, was dem Kontrolleur ein Erfolgserlebnis beschert, ohne ihn zu sehr zu stressen (denn wir kleine kaufen viel lokal und wissen, woher unser Fleisch kommt) oder vor riskante Aufgaben zu stellen.

In diesen Zeiten, in denen die Großen sich "steuerfrei" kaufen und Konzerne von regierungswegen ebenso frei erklärt werden, muß der/die Finanzbeamtin es mit jemandem aufnehmen, bei dem man/frau Aussicht auf Erfolg hat. Und dann tja, liebe Leute, obwohl die Sanierungsbeträge so unfaßbar riesig klingen, daß sie unwirklich scheinen, um Geld handelt es sich letzten Endes und irgendwoher muß dieses Geld kommen, das man ins bodenlose Loch der kriselnden Großunternehmen und Banken hineinschubst. Also, wenn die Großen kein Geld (sic!) mehr haben und Geld bekommen sollen, wer darf das alles zahlen?


So kommt es vor, daß das Finanzamt hinter uns Kleinen her ist wie sonst nie. Es gibt keine Stundungen mehr, keine Ratenzahlungen. Sie sperren regelmäßig meine Konten nach dem Motto: gestern fehl geschlagen aber heute platzt sicher das Konto vor Geld, als ob ich jeden zweiten Tag mit vollen Koffern zur Bank wie andere nach Lichtenstein pilgern würde, und versuchen mit allen Mitteln (Steuer)gelder von mir herauszupressen, wo es keine Gelder zu holen gibt. Schon lange, schon seit immer gab es/ gibt es kein Geld: Es ist ja allgemein bekannt, daß ein Microunternehmen der Durchschnittsgastronomie wie meines nie "das Geld" macht (far soldi heißt es auf Italienisch) und nur danke einer grenzenlosen Selbstausbeutung überleben kann. Allgemein betrachtet, ist es grotesk, daß die Steuerlast und das brutale Vorgehen der Finanzämter gut laufende Geschäfte kaputt machen, um nicht laufende zu sanieren. Hat das einen Sinn? Oder gibt es vielleicht etwas falsches im System? Etwas ganz falsches im ganzen System?

 

These are the times, das sind also die Zeiten. Jedes Erwachen morgens ist ein bißchen wie das Eintreten in den bekannten Alptraum. Und jede/r von uns ist so beschäftigt mit dem Versuch, sich selbst zu retten, daß die anderen Ertrinkenden nicht sieht...
Klar, daß unter diesen Umständen schwer ist, etwas zu schreiben. Wenn die größten Sorgen Geld, Geld und Geld sind, versiegt die Quelle der Phantasie, denn... die Gedanken sind nicht frei.

Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post