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Öffentlicher Dienst - I


Ich muß ein Mittagessen liefern, so stehe ich morgens mit meinem Auto auf dem Platz vor dem Restaurant, packe und lade ein und aus. Obwohl das in der Zeit passiert, in der es uns und anderen Lieferanten das Anhalten in der Fußgängerzone zwecks Ladetätigkeit erlaubt ist, finde ich unter meinem Scheibenwischer den rosa Zettel mit 30 Euro Verwarnungsgeld. Nein, ich sehe nicht gleich italienisch-rot, ich sehe noch deutsch-gold-rosa und denke einfach, daß der/die Verkehrsüberwacher/in es nicht gewußt haben kann, daß das Auto mir, der Inhaberin vom Restaurant gleich gegenüber gehört. Ich telefoniere also mit der Verkehrsüberwachung. Und da beginnt ein Verhör wie vor einem Gericht: Ob ich es beweisen könne, daß ich tatsächlich etwas zu laden hatte, und ich soll bitte zur Verkehrsüberwachung kommen mit einer Kopie des Lieferscheins bzw. Rechnung an die Firma, der ich das Essen gebracht habe. Das alles in bester DDR-Manier... vermute ich, denn die DDR-Befragungen habe ich in meinem Leben nur zwei Mal an der Grenze erlebt und es war nicht angenehm. Es war ähnlich wie hier und heute am Telefon: Frau wird zu Verdächtigter gemacht bis sie sich rechtfertigen muß für etwas, das eigentlich keinen Anlaß zum Verdacht gibt.

In was für einer Stadt leben wir denn, mit was für Behörden haben wir zu tun, die anscheinend nach dem Prinzip arbeiten, die Bürger seien alle Verbrecher?  Früher wurden die öffentlichen Ämter als „der öffentliche Dienst“ bezeichnet, ja sie waren öffentlicher Dienst. Kaum zu glauben, nicht wahr? Von öffentlichen Dienstlern zu polizeilichen Ermittlern, das ist offensichtlich die Entwicklung vieler Stadtbediensteter... und keine erfreuliche, für viele unter ihnen anscheinend auch: Denn vermutlich deswegen sind sie meistens so grimmig.
Uns macht es auch keinen Spaß.  


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