Durch Loretta Petti
Das Orciatal ist im Frühling zum Heulen schön.
Fünftagelang fahre ich täglich dadurch (von Montepulciano zum Warmwasserbaden nach Bagni San Filippo) und jeder Augenblick dieser Fahrt ist immer und immer wieder ein Staunen und Bewundern. Die Val d‘ Orcia ist in dieser Jahreszeit eine Symphonie in Grün. Und so schön, wirklich so schön und weit und ruhig, dass man sich gesegnet fühlt: Wir dürfen in unserem Leben diese wunderbare Landschaft durchqueren, und wir wissen, dass jeder
Augenblick dieser Fahrt einmalig ist,
auch nur aus dem Grund, dass die Schattierungen dieses grünen Meeres ständig wechseln.
Wir werden dann in jener Trattoria am Rand des Tals Halt machen und die Bistecca fiorentina oder vielleicht mal Cinghiale (Wildschwein) bestellen. Alles so einfach, alles so perfekt, alles so wie wir es kennen, wie wir es wünschen.
Und trotzdem…
Der Fluß Orcia? Der war einmal: Kiesgewinnung hat sein Bett zerstört. Übrig bleibt eine von Rinnsalen gezeichnete Steinenlandschaft.
Die Calanchi? Diese graue Mondlandschaft aus Tonerde? Davon bleibt nur ein kleiner Teil. Das Meiste von diesen Mondhügeln wurde von der Landwirtschaft plattgemacht: Getreidefelder.
Aber uns schmecken das Wildschwein und der Wein so gut,
dass wir uns gerne dem Glauben ergeben, das alles hätte sich natürlich entwickelt, diese vollkommene Schönheit sei das Ergebnis einer unbesiegten grundtiefen Harmonie zwischen Menschen und Natur und nicht des Zufalls.
Trotz alledem und vielleicht gerade deswegen bleibt das Orcia Tal eine der einmalig schönen Landschaften der Welt.
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