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ZWEI FRAGEN

Wertstoffhof in Hedelfingen: Es ist noch Mittagspause, ich halte vor der Schranke an und warte. Alles liegt still in der Sonne: Sauber und leer, so sauber und geordnet liegt alles da, als ob man erst morgen mit dem Betrieb beginnen würde. Na klar, die haben bis 16 Uhr geöffnet.  Wer soll hierher kommen? Hausfrauen? Rentner? Arbeitslose mit Entsorgungs- anstatt Versorgungsproblem? Für wen ist dieser Wertstoffhof gedacht?  Für Freiberufler mit viel Zeit? Denn bis 16 Uhr arbeiten doch die meisten noch,  im Land der (fast) Vollbeschäftigung. Ich genieße die Ruhe und bin des Willkommens sicher, denn sie brauchen meinen Müll, die da.

Früher habe ich öfters einen Bekannten zum Wertstoffhof in Leonberg (offen bis 19 Uhr) begleitet. Ganz anders als hier: Autos standen Schlange vor der Einfahrt, ein reger leutseliger Betrieb drinnen. Die Mitarbeiter haben alle in Empfang genommen, aktiv geholfen und auch streng kontrolliert, dass man richtig sortiert und entsorgt. Man hat sich begrüßt und verabschiedet, man ist ins Gespräch gekommen, nach dem ersten Mal hat man sich mit Einigen gekannt. Fröhliche Atmosphäre, gutes Gefühl: Man ist vom Wertstoffhof mit dem Bewusstsein weg gekommen, die Umwelt von einem  winzigen Teil Dreck ein kleines bisschen logischer und vernünftiger befreit zu haben.

Und nun Hedelfingen leer und still. Ich steige aus dem Auto aus und gehe ein Paar Schritte ins Gelände des Hofs hinein. Bleibe kurz vor der riesigen Öffnung eines enormen Containers stehen: ganz hinten, ordentlich zusammengetragen, ist ein Häufchen kleiner Elektrogeräte zu sehen.  Ich stehe noch da und will wieder zum Auto, als ein Mann aus dem Häuschen herausrennt und in meine Richtung ganz laut brüllt:  „Sie gehen hier  raus und steigen gleich ins Auto ein!“ Drehe mich um: Vielleicht stiehlt jemand hinter mir die entsorgten Geräte oder den ganzen Container oder vielleicht ist ein schlimmes Verbrechen  in Gang. Aber nein, der Mann meint mich, ja mich.  „Mit oder ohne Handschellen?“ brülle ich zurück. Und das ist die erste Frage der Stunde.


Endlich geht die Schranke hoch, ich fahre  bis zu der weißen Streife, die auf dem Boden sauber und fett gezeichnet ist (wie bei der Post „Abstand halten bitte“).

„Plastik tun Sie bei Ihnen zu Hause in den Gelben Sack, Restmüll gehört in die schwarze Tonne und ihre kleinen Elektrogeräte sind Sperrmüll, dafür brauchen Sie die Karte der AWS oder zahlen Sie“.
Der Mann hat offensichtlich keine Absicht, sich meines Mülls anzunehmen: Ihn schert mein Müll einen Dreck, sozusagen. Sprachlos sitze ich im Auto. Soll ich vielleicht versuchen ihm zu erklären, dass ich nicht hierher  gekommen wäre, wenn ich kurzfristig die Möglichkeit vom gelben Sack gehabt hätte? Aussichtslos: Meine Versuche, aus der Sprachlosigkeit herauszukommen, werden total und global ignoriert. Ich mach den Mund zu und ziehe unverrichteter Dinge mit noch vollem Auto ab. Von wegen gutes Gefühl. Wie die letzte Dumme fühle ich mich und frustriert. Out mit meinem umweltfreundlichen Entsorgungsbedürfnis, am liebsten würde ich alles einfach so auf die Straße um mich herum zerstreuen.

Und nun stellt sich die zweite Frage der Stunde: Wozu unterhält die Stadt Stuttgart (d.h. wir) einen Wertstoffhof in Hedelfingen?


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