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... Und dann war ich in Berlin

3 Tage Berlin und zurück.

Füße wund gelaufen. Mit der Nase nach oben herum gewandert, oft gestolpert über Berliner Pflastersteine. Das Straßenpflaster ist dort noch unregelmäßig, nicht so maßgeregelt wie hier im süddeutschen Schwabentum. Vieles ist noch im Werden. Eine noch unfertige wunderbare Stadt. Gute Gefühle in Berlin.

Im Jüdischen Museum habe ich starke Momente erlebt. Libeskinds Gebäude (mehr das Innere als das Äußere) ist architektonisch ein Erlebnis. Im Holocaust-Turm wird man gleich von einer Ergriffenheit überfallen, daß man fast heulen würde. Unerklärlich, weil es nur ein schmaler betongrauer Turm ist. Die anderen zwei, die mit mir darein gehen bleiben auch gleich ganz still stehen, ihnen geht es genau so. Selten hat ein Werk "metaphorisch" mit ganz schlichten Mitteln etwas so intensives vermittelt: das eingeschlossen und ausgeschieden sein, nicht mehr von dieser Welt, unsichtbaren übermächtigen Kräften ausgeliefert. So einsam und allein obwohl andere da sind. Da ist Libeskind mehr Psychologe als Architekt.


Dann Menashe Kadishmans Werk Shalechet. Man läuft auf schreienden Gesichtern aus Eisenscheiben und unsere Schritte - langsam oder schnell, vorsichtig oder gewollt rücksichtslos - erzeugen einen entsprechenden Klang von zusammen klappernden Eisen, keinen traurigen, keinen dramatischen Klang, eine "Klangmischung" von verschiedenartigen Emotionen und man muß sich zwingen, aufzuhören...


... In den Hackeschen Höfen und in den  Sophien-Höfen: eine Mischung aus kleinen Ateliers, Büros, Geschäften und Wohnungen. So hatte ich mir das Boschareal in Stuttgart vorgestellt. Eine weitere Bestätigung, daß Sanierung gelingt und wird menschlich nur dort wo auch Menschen wohnen, wo es zu einem Mix von Arbeit und Wohnen kommt. Okkei okkei, in Berlin sind diese Höfe Geschichte. Aber warum kann man das in Stuttgart nicht wagen? Warum nicht in der Alten Bahndirektion, zum Beispiel? Warum nicht im Hospitalviertel, zum Beispiel? Im Bollwerk ist es doch möglich gewesen (und fast gelungen, denke ich). Wann werden die Schwaben lernen, sich zu ihrer Geschichte zu bekennen, das Schimmlige der Vergangenheit, das an manchen (wenigen) Mauern noch haftet, auch lieben und sanieren lernen anstatt überall Tabula rasa zu machen und Häusslers Schwabengalerien zu bauen??

Und noch Berlin... Potsdamer Platz natürlich. Ja, Kollhoff, Piano und Jahn... markante Zeichen, aus dem Null auch ein Paar eigenwillige Kontraste gewagt. Dabei zwei Gedanken: Warum (1. Gedanke) gleich dahinten die Arkaden, dieses Shopping Mall, das sich allen anderen Shopping Malls in allen anderen Städten gleicht? Unvermeidlich? Und warum (2. Gedanke) hat man so oft in Stuttgart nur einen Abklatsch von dem, was woanders ausgedacht und gebaut wurde? Die gleiche Straßenbeleuchtung in Berlin und auf der Steinwüste Marienplatz in Stuttgart. Das Glaspalast ähnlich in Berlin wie in Stuttgart. Warum versucht man nicht etwas eigenes, passendes zu diesem Ort?

Das Deutsche in Berlin. Samstag Nacht auf der Schloßbrücke: Viel Volk geht Richtung Alexanderplatz, einige tragen Klappstühle unter dem Arm. Sie kommen von der Übertragung der Manon mit Netrebko und Villazon auf dem Bebelplatz neben der Oper (arrgghhh, zu spät erfahren und verpasst!). Alle gehen ziemlich still und schnell, sie haben es irgendwie eilig, marschieren fast, es gibt nichts feierliches, nur Eile. Typisch deutsch denke ich. In Italien wäre es ganz anders, denke ich, es wäre ein Fest, laut, die Leute würden reden und lachen, laut, und sie würden schlendern, locker, sich rufen, dann halten, Richtung ändern, quer und schräg gehen, nicht alle so kompakt geradeaus laufen. Ja, es gibt etwas sehr deutsches in diesem Nach-Hause-Gehen nach einem solchen erfreulichen (denkt man) Erlebnis.

Das Berlinerische und das Stuttgarterische: In Berlin überträgt man auf dem Bebelplatz die Oper, in Stuttgart überträgt man auf dem Schloßplatz den Fußball.

Monday, May 28, 2007

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